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Die nächste Grenze überschritten: Maschinen, die Bilder verstehen

verfasst von Martin Gross-Albenhausen am 21.11.2014
Beispiele für die Beschreibungsgüte von Googles neuer Transkriptions-Software.

Google hat gemeinsam mit Wissenschaftlern der Stanford University ein neues Verfahren entwickelt, um aus Bildern den Kontext mit zu extrahieren und in Text zu übersetzen. Und so, vermutlich, bessere Suchresultate zu liefern. Die computergenerierten Beschreibungen, wie oben im Bild gezeigt, sind erstaunlich korrekt und laufen nur in die Irre, wenn Perspektiven verzerrt oder die Abbildungsinhalte zu gruppiert sind.

Der „Kontext“ stand für mich in diesem Jahr wieder und wieder im Fokus, denn das Wissen darüber, was lose und im Stakkato aneinandergereihte Begriffe oder Objekte für den Nutzer in einen sinnvollen Zusammenhang bringt, war und ist noch ein wesentliches Differenzierungsmerkmal auch für Spezialversender. Google aber kann inzwischen die Früchte langer und kostspieliger Projekte wie der Digitalisierung von Büchern oder der zugekauften Aktivitäten wie like.com ernten. Suche wird „contextual“ und „conversational“.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Zahl und Größe der Screens, auf denen Commerce stattfindet, heute so vielfältig ist, dass sogar responsive Programmierung allein hier nicht mehr weiter hilft. Facettierte Navigation ist ein wichtiges, aber doch letztlich nur den rationalen Teil des Kaufvorgangs adressierendes Hilfsmittel. Wenn Menschen (wie beim Firephone) Objekte fotografieren oder Texte phonetisch eingeben und sich auf dieser Grundlage Kaufempfehlungen zeigen lassen können, ist die Brücke zurückgeschlagen zum Impulskauf.

Google legt seit dem Panda und Hummingbird-Update immer mehr Wert darauf, dass Websites für den Kunden relevante Informationen liefern. Kontextrelevanz war etwas, das man lange aus Onlineshops verbannt hat. Bereitwillig haben die Shops und Publisher jedoch Google mit Beschreibungen dessen gefüttert, was auf Bildern zu sehen ist.

Je transaktionaler die Suche wird, um so weniger Kontext braucht es. Navigationale Suchen könnte Google dank der Vorarbeit in Streetview und Goggles exzellent unterstützen. Informationale Suchen profitieren potentiell am meisten von der softwarebasierten Interpretation der Bilddaten. Also der Bereich, der im Moment vom Content Marketing adressiert wird. Eher die frühe Phase der Customer Experience Journey.

Ich bin gespannt, wie Google das Ranking der Suchmaschinenresultate im Rahmen eines Matchings optimiert. Denn es ist nicht damit getan, die Bildinhalte korrekt zu extrahieren. Viel wichtiger ist, die relevanten von den unwichtigen Kontextinformationen zu unterscheiden. Ist z.B. das Alter oder die Haarfarbe einer Person im Bezug auf die getragene Mode relevanter als z.B. der Schnitt? Sicher nicht – aber das muss eine Maschine lernen.

Was Google aus der neuen Bild-Interpretation macht, ist völlig offen. Die SEO wird früher oder später davon tangiert, alles weitere Spekulation. Nur eines ist es sicher nicht: Akademische Spielerei im Elfenbeinturm der Wissenschaft.

Der Buy-Button: Verändern Facebook und Twitter den Handel - für immer?

verfasst von Martin Groß-Albenhausen am 9. September 2014

Gestern hat Twitter in seinem Blog bekannt gegeben, dass in Amerika erste Versuche mit einem „Buy-Button“ innerhalb von Tweets unternommen werden. Partner sind auf Handelsseite aktive Twitter-Nutzer wie The Home Depot oder Burberry, vor allem aber auch Stars wie Eminem, Ryan Adams oder Soundgarden. Erst vor wenigen Wochen hatte Facebook ein vergleichbares Konzept in Angriff genommen, um die große Zahl der täglichen Interaktionen nicht nur über Werbung, sondern auch über Handelsprovisionen zu veredeln.

Wie im Fall von Facebook, ist auch der Buy-Button von Twitter zunächst nur in Amerika im Test. Interessant ist allerdings, dass die Partner bei dem Experiment alle bereits in Deutschland aktiv sind: u.a. das Visual Shopping-Portal Fancy, der vor allem auf digitale Produkte ausgerichtete Dienst Gumroad und der Payment-Dienstleister Stripe (Vorbild für das deutsche Payment-Startup Paymill).

Bei Twitter wie bei Facebook wird die Transaktion nicht mehr nach Affiliate-Konzept beim Händler erfolgen, sondern innerhalb des Social Networks abgewickelt:

Your payment and shipping information is encrypted and safely stored after your first transaction, so you can easily buy on Twitter in the future without having to re-enter all of your information. Of course, you can always remove this information from your account. Your credit card is processed securely and won’t be shared with the seller without your permission.

Bislang sind Shopping-Anwendungen in Facebook und Twitter selbst nur mäßig erfolgreich gewesen, ebenso begrenzt waren Twitter-angenäherte Commerce-Feeds wie Blippy – sie skalierten einfach nicht. Selbst Pinterest liefert zwar durchaus qualitativen Traffic, aber nur in Einzelfällen in einem wirklich substantiellen Maß. Ein Modestudent berichtete mir, dass Instagram zur Verkaufsanbahnung gut funktioniere. Von mehr als einem Beta-Erfolg würde er aber nicht sprechen.

Andererseits ist zumindest Facebook heute für viele Händler ein ausgezeichnetes Werbeumfeld mit exzellenten Targeting-Möglichkeiten. Fish where the Fish are – der Buy-Button als Angel ist also durchaus einen Test wert.

Was zu denken geben sollte, ist die Entwicklung eines kompletten Shopping-Systems für potentiell Millionen tägliche Transaktionen nicht mit den ausgefeilten, erprobten Logistik- und Paymentplattformen etablierter Provider. Stattdessen kooperiert Twitter im Fall von Stripe mit einem Startup, das nach wenigen Jahren schon mit 1,2 Mrd. Euro bewertet wird. Auch die anderen Partner haben eines gemeinsam: Sie machen dem Handelspartner die Nutzung so einfach wie möglich – ohne feste Gebühren, ohne hohe IT-Investitionen, mit einem nahtlosen Vermarktungs- und Service-Modell.

Die Partner wiederum kennen sich untereinander und nutzen ihrerseits Lösungen, die nach der Jahrtausendwende entstanden sind. Sie experimentieren mit neuen Technologien – Anwendungen für Google Glass – oder Angebotsformen wie Abo-Commerce, Same Day Delivery und mehr. Jeder Partner hat für sich ein differenziertes und valides Geschäftsmodell, das auf „neuen Handel“ abzielt.

Viele kleine Rädchen, jedes für sich im Handel bisher kaum relevant, könnten so unter dem Dach der global agierenden, mit enorm viel Kapital ausgestatteten Netzwerke allein aufgrund ihrer Reichweite eine Art Handel hervorbringen, an dem keiner der bisher üblichen Wertschöpfungspartner einen direkten Anteil hat: 

  • Shop? Handel findet im „Stream“, im direkten Kontext des Kunden statt.
  • Software? In den Merchant-Apps des Netzwerks enthalten.
  • Marketing? Alle Tools in der Plattform integriert.
  • Payment? Akzeptanz von über 100 Kreditkarten ohne monatliche Grundgebühr.
  • Logistik? Bis hin zur taggleichen Zustellung über die Plattform organisiert.

Nicht nur verliert der Händler mehr und mehr Transaktionspunkte mit dem Kunden, auch der Dienstleister hat kein direktes Vertragsverhältnis mehr mit dem Händler. Von einer Veränderung im Handel zu sprechen, greift zu kurz – hier entsteht ein neues Ökosystem.

Wenn Sie mehr über die Perspektiven des Handels in einer von Facebook, Amazon, Google, PayPal & Co. geprägten Gesellschaft erfahren und diskutieren wollen, kommen Sie auf den etailment Summit. Von der Sortimentsentwicklung über die Arbeitsorganisation bis zur Zustellung behandeln wir alle Wertschöpfungsstufen des Me-Commerce.

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